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Samstag, 3. Mai 2008

Schraubenschlüssel & Co.

Gestern habe ich die Reifen gewechselt. Wie immer, wenn ich am Auto was mache, war es vom soziologischen Standpunkt aus gesehen höchst interessant, die verschiedenen Reaktionen zu beobachten. Die geneigte Leserin, der geneigte Leser, stelle sich folgendes Setting vor:

Dralle Blondine in blauer Latzhose und mit Arbeitshandschuhen hievt auf öffentlichem Grund knappe drei Tonnen in die Höhe, entfernt die Winterreifen - die ebenfalls drei Tonnen wiegen - schafft es mit Ächzen und Stöhnen, die Sommerreifen auf Höhe der Naben zu bringen und irgendwie zu befestigen. Dabei rollt sie stundenlang auf dem Boden rum und gibt Geräusche von sich, die "einer Pornoqueen Ehre machen würden" (Zitat meines Göttergatten). Die Dinger waren ja auch wirklich sehr, sehr schwer!

Die Reaktionen auf solche und ähnliche Szenen folgen meist einem ähnlichen Schema:

  1. verwirrtes Hin- und wieder Wegschauen
  2. nachfragen "ist das nicht zu schwer für Sie?"
  3. nachfragen "kann das nicht ihr Mann für Sie machen?"
  4. und die ganz Netten - in Abwesenheit des Emanzerichs: "Geben Sie den [welch Werkzeug ich auch immer in der Hand halte] her, ich mach' das schon".
So schön es an manchen Tage auch ist, dass einer jemand die schwere und schmutzige Arbeit abnehmen will, desto nerviger sind solche Reaktionen an anderen. Denn genau sie führen dazu, dass Frau diese - wirklich nicht schwierigen - Tätigkeiten nicht lernen. Schlimmer noch: Sich gar nicht erst zutrauen, diese überhaupt lernen zu können. Dabei ist weder Reifen wechseln, noch Ölstände nachprüfen oder Zündkerzen putzen schwierig oder anspruchsvoll. Ins Handbuch schauen, das richtige Werkzeug bereithalten und voilà.

Gerade bei den kraftaufwendigen Jobs hingegen ist Köpfchen gefragt und nicht pure Manneskraft. Nur dumme Männer setzen dabei auf Kraft! Alle anderen hebeln den Reifen hoch, statt ihn zu stemmen - ihr Rücken dankt es ihnen.

Ich beschreibe hier übrigens ein Phänomen, das in der Psychologie "erlernte Hilflosigkeit" genannt wird. Eine Gruppe A nimmt einer anderen Gruppe B so lange gewisse Tätigkeiten mit dem Argument "das kannst du nicht" ab, bis die Angehörigen der Gruppe B davon überzeugt ist, dass die Aussage tatsächlich zutrifft. So entstehen dann Glaubenssätze, die unser ganzes Leben prägen und einschränken. Ja, manchmal ist es bequem, wenn ein netter Mann unbequeme und schmutzige Arbeit an unserer Stelle erledigt. Aber wenn wir gar nie gelernt haben, diese Arbeit selber auszuführen, dann brauchen wir plötzlich einen Mann, der die für uns erledigt. Und wohin das führen kann, muss ich euch nicht erklären...

Also Mädels: Ran an die Schraubenschlüssel! Lernt, wie es geht! Dann erst habt Ihr die Freiheit zu entscheiden, ob ihr einen guten Freund um Hilfe bitten möchtet oder den Job selbst erledigen wollt.

Übrigens: Die Befriedigung, die entsteht, wenn man etwas schafft, das man sich selbst gar nicht zugetraut hätte, kann einer kein Mann verschaffen!

Donnerstag, 16. November 2006

Vom Ausland umzingelt...

...sind wir Schweizerinnen und Schweizer, wenn es ums Finanzielle geht. So schreiben die SVP-Frauen in ihrer Pressemitteilung zum Familienzulagengesetz:
"Mit dem Gesetz wird dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet, denn im Ausland lässt sich mit den Kinderzulagen aus der Schweiz fürstlich leben."

Mit 200 läppischen Fränkli, umgerechnet 130 Euro, lässt sich weder im Ausland noch in der Schweiz "fürstlich leben". Nun, vielleicht in Bananistan, aber auch dort sind mit den letzten Kriegen die Preise ins Unermessliche gestiegen...

Aber worum dreht sich die Frage nach einer minimalen Kinderzulage denn nun wirklich?
"Mehr Kinder dank höherer Kinderzulagen?"

titelt Swissinfo. Aha, Monsieur Couchepin, Sie sind durchschaut!
Wenn die 200 Fr. wenistens die Krankenkassenprämien decken würden, könnte man vielleicht noch darüber diskutieren. Herr Couchepin, da müssen sie schon mehr bringen. Gebären muss sich so richtig lohnen! Rund 1100 Franken im Monat kostet ein Kind im Schnitt bis es 20 ist, berechnete die Zeitschrift Der Beobachter kürzlich. Hinzu kommt ein Stundelohn von 25-30 Fr. für eine Hausfrau (diese Summe entspricht dem Ansatz der Haftpflichtversicherung, wenn eine Hausfrau verunfallt) während mindestens 6 Jahren, zuzüglich Bereitschaftsdienst, Überstunden, Wochenend- und Nachtarbeit.

So, Monsieur Couchepin. das ergäbe dann
12 Monate x 20 Jahre x 1100 Fr. = 264'000 Schweizer Franken für das Kind
24 Stunden x 365 Tage x 6 Jahre x 25 Fr. = 1'314'000 Schweizer Franken für die Mutter
das macht dann 1'578'000 Schweizer Franken insgesamt.

So Herr Couchepin, eineinhalb Millionen Franken müssen sie pro Mutter mit Kind rausrücken, damit es sich finanziell lohnt, ein Kind grosszuziehen. Das sind mehr als 200 Franken im Monat.

Kämen Kinderkrippen und gesetzlich garantierte Betreuungsplätze im Endeffekt nicht billiger?

Freitag, 10. November 2006

Willkommen im 3. Jahrtausend

Wie SwissInfo gestern meldete, dürfen nun auch die Flugbegleiterinnen der Alitalia - als letzte Airline Europas - während der Arbeit Hosen tragen. Im Namen der Gesundheit der Hostessen hat die italienische Fluggesellschaft nach jahrzehntelangem Hin und Her schliesslich nachgegeben. Nach wie vor müssen die Damen jedoch hohe Absätze tragen.

Da ergeben sich natürlich einige Fragen. Ich persönlich bin neugierig, wie sich die Frauen schlussendlich durchsetzen konnten. Haben sie vielleicht die Beine nicht mehr rasiert? Das wäre doch wunderschön subversiv gewesen. Weiter frage ich mich, wie die Herren Flugbegleiter - es gibt doch männliche Flugbegleiter bei Alitalia? Schliesslich untersteht Italien auch der europäischen Gesetzgebung und die ist in diesem Punkt ziemlich strikt - wohl in Röckchen und mit hohen Absätzen ausschauen mögen.

Ich glaube, die Emanze wird das nächste Mal Alitalia fliegen!

Freitag, 15. September 2006

Meine Frau soll nicht arbeiten müssen

Der Satz aus dem vorherigen Post geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Jungs, Jungs, das ist sicher nett gemeint, aber was soll das?!

1. das Wort müssen

Woher nehmt ihr die Erkenntnis, dass Eure (zukünftigen) Frauen nicht einer Erwerbsarbeit nachgehen wollen?
Ist die Idee, dass ein Mensch, der anhand seiner Interessen und Fähigkeiten eine Berufswahl getroffen und diesen Beruf vier Jahre lang gelernt hat, diesen auch gerne ausüben würde, denn so absurd? Oder ist die heutige Arbeitswelt so verkorkst, dass sich junge Leute kaum mehr vorstellen können, dass jemand seinen Beruf tatsächlich gerne machen kann? Diese Möglichkeit besteht natürlich auch.

2. das Wort arbeiten

sorry Jungs, aber nur wer noch nie kleine Kinder betreut hat kann auf die Idee kommen, dass der Beruf "Hausfrau und Mutter" bzw. "Hausmann und Vater" keine Arbeit sei. Undankbare, sich wiederholende, nie endende Schmutzarbeit, um genau zu sein. Die Art Arbeit also, von der Arbeitspsychologen sagen, sie führe langfristig zu einer starken Arbeitsunzufriedenheit - und den damit zusammenhängenden Folgen Frustration, Aggression und Depression. Und - dies geht an die Adresse der "man muss den Hausfrauenberuf aufwerten"-Fraktion! - die Art Arbeit, die eigentlich nur dann Spass macht, wenn man sie zu Mehreren macht. Oder nur dann langfristig erträglich ist, wenn man sie a) auf ein Minimum reduziert und b) aufteilt.

Capisch?

Es grüsst lieb,
die Emanze vom Dienst

Gedanken Jugendlicher bezüglich ihrer beruflichen Zukunft

(der Radiobeitrag ist leider auf Schweizerdeutsch, sorry ihr Deutschen).

Jugendliche im 9. Schuljahr (15-16jährige) eines Zürcher Schulhauses wurden gefragt, wie sie sich ihre (berufliche) Zukunft vorstellten. "Ich wünsche mir einen Job und eine Familie, wo beides geht" sagen die Mädchen, "ich wünsche mir einen Job mit guter Kohle, meine Frau soll nicht arbeiten müssen", sagen die Jungen, die sich überhaupt eine Familie vorstellen können.

Verschiedene Erwartungen an die Zukunft also bereits in frühen Jahren. Sehen wir in dieser Abweichung die zukünftigen Scheidungsraten? Macht wirklich der Feminismus den Dialog zwischen Männern und Frauen kaputt, oder reden die einfach schon sehr früh aneinander vorbei? Wieso machen sich junge Männer nach wie vor keine Gedanken über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für sich selber? Liegt ihnen nichts daran oder wurde ihnen nicht beigebracht, dass diese Frage sie auch betrifft?

Es grüsst lieb,
Eure nachdenkliche Emanze vom Dienst

P.S. Mädels, statt bei der Berufswahl auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu achten - was an sich ehrenwert ist - würde ihr lieber dafür sorgen einen Berufs zu ergreifen, der nicht nur euren Interessen entspricht und den ihr gern tut, sondern der es euch zudem erlaubt, finanziell auf eigenen Füssen zu stehen. Es ist nichts auf Dauer so frustrierend (und beziehungszerstörend!!!) wie die Abhängigkeit von einer anderen Person. Ergreift einen Beruf, mit dem ihr euch - und im Notfall auch eure Kinder - ernähren könnt. Erstens wird dadurch die Beziehung zu eurem Mann entspannt (ihr seid weniger frustriert und er kann sicher sein, dass ihr nicht nur wegen der Kohle bei ihm bleibt) und zweitens ist es gut fürs Selbstbewusstsein. Wenn ihr euch dann beruflich etabliert habt, dann kämpft für die Vereinbarkeit. Kämpft wie die Löwinnen, gemeinsam mit Euren Männern, gemeinsam mit uns alten Emanzen. Es braucht Courage und Ausdauer, aber es ist machbar!